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Vollräumung

Facility Management: Evakuierungen » Grundlagen » Evakuierungsarten » Vollräumung

Vollräumung zur schnellen und sicheren Evakuierung von Gebäuden

Vollräumung – vollständige Evakuierung des gesamten Gebäudes

Die Vollräumung ist die vollständige Evakuierung eines gesamten Gebäudes oder einer gesamten baulichen Anlage, wenn eine Gefahr das Gebäude insgesamt betrifft, bedroht oder mit ausreichender Wahrscheinlichkeit betreffen kann. Im Facility Management stellt sie die höchste Stufe einer Evakuierungsmaßnahme dar, da alle anwesenden Personen das Gebäude verlassen müssen und der normale Gebäudebetrieb bis zur Sicherheitsfreigabe unterbrochen wird. Eine Vollräumung ist erforderlich, wenn ein Risiko nicht zuverlässig auf einen bestimmten Bereich begrenzt werden kann, wenn sich eine Gefahrenlage dynamisch ausbreitet, wenn Leben und Gesundheit Vorrang vor betrieblichen Abläufen haben oder wenn Einsatzkräfte ein vollständig geräumtes Gebäude für ihre Maßnahmen benötigen. Im Unterschied zu einer Teilräumung oder zonenweisen Räumung betrifft die Vollräumung alle Personen, alle genutzten Bereiche und alle zugänglichen Nebenflächen. Ziel ist es, das Gebäude schnell, geordnet, sicher und kontrollierbar zu räumen, damit Personen geschützt, Einsatzmaßnahmen erleichtert und eine spätere Wiederaufnahme des Betriebs nur nach eindeutiger Freigabe ermöglicht wird.

Vollräumung sicher und koordiniert organisieren

Definition und Umfang der Vollräumung

Eine Vollräumung bedeutet, dass alle im Gebäude befindlichen Personen das Objekt verlassen müssen. Dazu gehören Mitarbeitende, Besucher, Auftragnehmer, Mieter, Dienstleister, Lieferanten, Managementpersonal sowie alle weiteren Personen, die sich zum Zeitpunkt des Ereignisses im Gebäude befinden. Die Maßnahme bezieht sich auf die gesamte bauliche Einheit und nicht nur auf ausgewählte Räume, einzelne Geschosse oder bestimmte Nutzungsbereiche.

Aus Sicht des Facility Managements ist die Vollräumung eine strukturierte Schutzmaßnahme mit klaren Verantwortlichkeiten. Sie beginnt in der Regel mit einer Alarmierung oder Anweisung zur Räumung, umfasst die geordnete Bewegung der Personen über vorgesehene Flucht- und Rettungswege und endet nicht bereits mit dem Verlassen des Gebäudes. Zur Vollräumung gehören auch die Sammlung an definierten Sammelstellen, die Lage- und Personenübersicht, die Verhinderung unkontrollierter Rückkehr sowie die spätere Freigabe zur Wiederbelegung.

Der Umfang einer Vollräumung muss vorab eindeutig beschrieben werden. Facility Manager müssen wissen, welche Gebäudeteile, Außenbereiche, Nebenflächen und Sonderbereiche in den Räumungsprozess einzubeziehen sind. Besonders wichtig ist, dass auch wenig frequentierte oder schwer einsehbare Bereiche berücksichtigt werden, zum Beispiel Technikräume, Untergeschosse, Archive, Lager, Parkflächen, Dachbereiche und Servicegänge.

Umfang der Vollräumung im Facility Management

Umfangselement

Beschreibung im Facility Management

Räumungsabdeckung

Gesamtes Gebäude oder gesamte bauliche Anlage

Personengruppe

Alle Personen, die sich im Gebäude befinden

Betriebsstatus

Der normale Gebäudebetrieb wird unterbrochen

Entscheidungsgrundlage

Gebäudebezogene Gefahr, unklare Risikoausdehnung oder schwerwiegender Vorfall

FM-Ziel

Maximierung der Personensicherheit und Unterstützung der Gefahrenabwehr

Bedingung für Wiederbelegung

Rückkehr erst nach Sicherheitsbestätigung und ausdrücklicher Freigabe

Eine Vollräumung ist daher nicht nur eine Bewegung von Personen aus dem Gebäude heraus. Sie ist ein umfassender Managementprozess, der Alarmierung, Führung, Kommunikation, technische Kontrolle, Sicherheitskoordination und Wiederanlaufplanung miteinander verbindet.

Bedeutung der Vollräumung im Facility Management

Die Vollräumung ist im Facility Management von besonderer Bedeutung, weil sie bei einer gebäudeweiten oder nicht eindeutig eingrenzbaren Gefahr die klarste Schutzmaßnahme darstellt. Sie reduziert Unsicherheit, vereinfacht die Anweisung an die Gebäudenutzer und stellt sicher, dass keine Person bewusst in einem potenziell gefährdeten Bereich verbleibt.

Der wichtigste Zweck der Vollräumung ist der Schutz von Leben und Gesundheit. Sobald ein Ereignis nicht zuverlässig lokal beherrscht werden kann, darf die Aufrechterhaltung des Betriebs nicht im Vordergrund stehen. Facility Management muss in solchen Situationen schnell, eindeutig und verantwortungsbewusst handeln. Eine rechtzeitig ausgelöste Vollräumung kann verhindern, dass Menschen durch Rauch, Feuer, technische Störungen, Gefahrstoffe, strukturelle Schäden, Sicherheitsbedrohungen oder andere Gefahrenlagen eingeschlossen oder gefährdet werden.

Darüber hinaus unterstützt die Vollräumung die Arbeit der Einsatzkräfte. Ein geräumtes Gebäude lässt sich leichter kontrollieren, durchsuchen, sichern und technisch bewerten. Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei oder interne Notfallteams erhalten eine klarere Lage, wenn bekannt ist, dass sich keine oder möglichst keine Personen mehr im Gebäude aufhalten.

Bedeutung der Vollräumung im Facility Management

Bedeutungsbereich

Relevanz für das Facility Management

Maximale Personensicherheit

Entfernt alle Personen aus einer potenziellen Gefahrenzone

Klare Notfallanweisung

Ermöglicht eine einfache, einheitliche und verständliche Reaktion

Zugang für Einsatzkräfte

Erleichtert Inspektion, Intervention, Rettung und Gebäudesicherung

Schutz der Organisationspflichten

Zeigt entschlossenes Handeln in Hochrisikosituationen

Ereigniskontrolle

Reduziert Komplexität, weil das gesamte Gebäude geräumt wird

Kontrolle der Wiederbelegung

Ermöglicht FM, die sichere Rückkehr in das Gebäude zu steuern

Für Facility Manager ist die Vollräumung auch ein Ausdruck organisatorischer Reife. Ein Gebäude kann technisch gut ausgestattet sein, dennoch entsteht Sicherheit erst durch das Zusammenspiel von Planung, Kommunikation, Übungen, Zuständigkeiten und kontrollierter Umsetzung.

Vollständige Räumung des gesamten Gebäudes

Das zentrale Merkmal der Vollräumung ist die vollständige Räumung aller Gebäudebereiche. Dies umfasst Büro- und Arbeitsflächen, Besprechungsräume, Empfangszonen, Lagerflächen, technische Betriebsräume, Untergeschosse, Parkbereiche, Dachflächen, Servicekorridore sowie alle weiteren zugänglichen Teile der Anlage.

Facility Management muss sicherstellen, dass nicht nur die offensichtlich besetzten Bereiche betrachtet werden. In vielen Gebäuden befinden sich Personen auch in Bereichen, die während einer Räumung leicht übersehen werden können. Dazu zählen Wartungstechniker in Technikzentralen, Reinigungspersonal in Nebenräumen, Lieferanten in Ladezonen, Besucher in Wartebereichen, Beschäftigte in Archiven oder Personen in Tiefgaragen.

Die Vollräumung erfordert deshalb klare Räumungswege, gut sichtbare Beschilderung, funktionierende Sicherheitsbeleuchtung, verständliche Alarmierung und geschultes Personal. In größeren oder komplexen Gebäuden ist es sinnvoll, Räumungshelfer oder verantwortliche Bereichspersonen einzusetzen, die bestimmte Flächen beobachten, Rückmeldungen geben und sicherstellen, dass Personen zu den vorgesehenen Ausgängen und Sammelstellen geleitet werden.

Gebäudebereiche, die von der Vollräumung erfasst werden

Gebäudebereich

FM-Relevanz während der Vollräumung

Büro- und Arbeitsbereiche

Alle Mitarbeitenden und Besucher müssen das Gebäude verlassen

Öffentliche Bereiche und Empfangszonen

Externe Gäste benötigen klare Anleitung und sichtbare Führung

Technik- und Servicebereiche

Wartungs-, Betriebs- und Auftragnehmerpersonal muss berücksichtigt werden

Untergeschosse und Parkbereiche

Personen in weniger sichtbaren Bereichen dürfen nicht übersehen werden

Besprechungs- und Veranstaltungsräume

Bereiche mit hoher Personendichte benötigen geordnete Räumung

Sondernutzungsbereiche

Sensible, gesicherte oder eingeschränkt zugängliche Zonen benötigen kontrollierte Räumungsbestätigung

Eine vollständige Räumung bedeutet nicht, dass Mitarbeitende persönliche Gegenstände holen, Arbeitsschritte abschließen oder technische Tätigkeiten ohne Freigabe fortsetzen dürfen. Der sichere und zügige Austritt aus dem Gebäude hat Vorrang. Ausnahmen dürfen nur für vorher definierte sicherheitskritische Handlungen gelten, wenn sie ohne Eigengefährdung möglich sind und Bestandteil des Notfallkonzeptes sind.

Entscheidungskriterien für eine Vollräumung

Eine Vollräumung wird dann eingesetzt, wenn die Gefahrenlage hoch, unklar, dynamisch oder nicht sicher durch eine begrenzte Maßnahme beherrschbar ist. Facility Manager müssen dafür sorgen, dass die Entscheidung schnell getroffen, eindeutig kommuniziert und konsequent umgesetzt wird.

Die Entscheidung kann durch unterschiedliche Auslöser entstehen. Dazu gehören Brand- oder Rauchentwicklung, Gefahrstoffaustritt, Gasgeruch, strukturelle Schäden, Strom- oder sicherheitskritische Systemausfälle, Bombendrohungen, verdächtige Gegenstände, Sicherheitslagen, Naturereignisse oder Anweisungen von Einsatzkräften. Entscheidend ist nicht nur, ob die Gefahr bereits das gesamte Gebäude betrifft. Eine Vollräumung kann auch erforderlich sein, wenn nicht sicher ausgeschlossen werden kann, dass sich die Gefahr ausweitet.

Facility Management sollte klare Entscheidungswege definieren. Es muss festgelegt sein, wer eine Vollräumung auslösen darf, wie die Alarmierung erfolgt, welche internen Stellen informiert werden und wie mit widersprüchlichen Informationen umzugehen ist. In zeitkritischen Situationen darf die Entscheidung nicht durch unklare Zuständigkeiten verzögert werden.

Entscheidungskriterien für die Vollräumung

Entscheidungskriterium

Erklärung

Gebäudebezogenes Risiko

Die Gefahr betrifft das gesamte Gebäude oder kann es betreffen

Unklare Ereignisstelle

Ursprung, Ausmaß oder Richtung der Gefahr kann nicht bestätigt werden

Schnelle Gefahrenentwicklung

Die Lage kann sich schneller verschlechtern, als eine lokale Kontrolle möglich ist

Anforderung der Einsatzkräfte

Externe oder interne Einsatzkräfte benötigen ein vollständig geräumtes Gebäude

Ausfall von Gebäudesystemen

Sicherheitskritische Anlagen sind nicht mehr zuverlässig funktionsfähig

Hohe Personengefährdung

Der Verbleib im Gebäude würde Personen einem nicht akzeptablen Risiko aussetzen

Die Entscheidung für eine Vollräumung sollte im Zweifel zugunsten der Personensicherheit ausfallen. Eine zu spät angeordnete Räumung kann die Evakuierung erschweren, Fluchtwege belasten oder Personen gefährden. Eine gut vorbereitete Vollräumung hingegen schafft Klarheit und verbessert die Handlungsfähigkeit aller Beteiligten.

Planungsanforderungen des Facility Managements

Eine Vollräumung erfordert eine sorgfältige Vorplanung, weil sich die gesamte Gebäudepopulation innerhalb kurzer Zeit bewegen muss. Facility Management muss sicherstellen, dass das Räumungskonzept zur Gebäudestruktur, Belegung, Nutzung, technischen Ausstattung, Kommunikationsstruktur und organisatorischen Verantwortung passt.

Die Planung beginnt mit der Kenntnis der Belegung. FM muss einschätzen können, wie viele Personen sich zu normalen Betriebszeiten, bei Spitzenbelegung, bei Veranstaltungen, außerhalb der Kernarbeitszeit und während Sondernutzungen im Gebäude befinden können. Diese Informationen beeinflussen die Dimensionierung von Fluchtwegen, Sammelstellen, Kommunikationsmaßnahmen und Unterstützungsprozessen.

Ein weiterer zentraler Punkt ist die Barrierefreiheit. Personen mit eingeschränkter Mobilität, Seh- oder Hörbeeinträchtigungen, temporären Verletzungen, gesundheitlichen Einschränkungen oder besonderem Unterstützungsbedarf müssen im Räumungskonzept ausdrücklich berücksichtigt werden. Dazu gehören geeignete Kommunikationsformen, definierte Unterstützungsrollen, sichere Wartebereiche, Evakuierungshilfen und abgestimmte Verfahren mit Einsatzkräften.

Auch Besucher, Auftragnehmer und Dienstleister müssen in die Planung einbezogen werden. Diese Personengruppen kennen das Gebäude häufig nicht, haben keine regelmäßige Sicherheitseinweisung und benötigen im Ereignisfall besonders klare Orientierung. Empfang, Sicherheitsdienst, Auftraggeber und Fremdfirmenkoordination müssen deshalb wissen, wie externe Personen während einer Vollräumung geführt und erfasst werden.

Planungsanforderungen für die Vollräumung

Anforderung

Relevanz für die FM-Planung

Belegungsdaten

Bestimmen die voraussichtliche Anzahl der zu evakuierenden Personen

Analyse der Gebäudekapazität

Prüft, ob Räumungsbewegungen sicher bewältigt werden können

Notfallkommunikationskonzept

Stellt sicher, dass alle Personen klare Anweisungen erhalten

Planung der Barrierefreiheit

Unterstützt Personen mit eingeschränkter Mobilität oder besonderem Hilfebedarf

Auftragnehmer- und Besuchermanagement

Stellt sicher, dass nicht dauerhaft anwesende Personen einbezogen werden

Verfahren zur Wiederbelegung

Verhindert unkontrollierte Rückkehr vor der Sicherheitsfreigabe

Schnittstelle zur Geschäftskontinuität

Verknüpft Räumung, Krisenreaktion und betriebliche Wiederaufnahme

Die Planung sollte dokumentiert, trainiert und regelmäßig überprüft werden. Änderungen an Gebäudegrundrissen, Nutzungskonzepten, Mieterstrukturen, Fluchtwegen, Zugangssystemen, Brandmeldeanlagen oder Sicherheitsorganisationen müssen zeitnah in das Räumungskonzept übernommen werden.

Operative Auswirkungen der Vollräumung

Die Vollräumung hat unter allen Räumungsarten die stärksten betrieblichen Auswirkungen, da sie den gesamten Gebäudebetrieb unterbricht. Arbeitsplätze, Empfang, technische Dienste, Logistik, Reinigung, Catering, Kundenbereiche, Besprechungen und Veranstaltungen können sofort betroffen sein. Facility Management muss deshalb die Räumungsmaßnahme mit Krisenmanagement, Business Continuity, Sicherheitsdienst, technischer Gebäudeausrüstung und Wiederanlaufprozessen verbinden.

Im Ereignisfall ist zu klären, welche betrieblichen Funktionen sofort gestoppt werden, welche Systeme gesichert werden müssen und welche Tätigkeiten aus der Ferne überwacht werden können. Bestimmte technische Anlagen dürfen nicht unkontrolliert zurückgelassen werden, während andere Systeme aus Sicherheitsgründen gerade nicht manuell beeinflusst werden dürfen. Das FM-Team muss solche Abhängigkeiten im Vorfeld kennen.

Besonders anspruchsvoll ist die Vollräumung in Gebäuden mit mehreren Mietern, kritischen Dienstleistungen oder Publikumsverkehr. Unterschiedliche Organisationen können eigene Meldewege, Führungskräfte und Sicherheitsprozesse haben. Dennoch muss die Räumungsanweisung im Ereignisfall einheitlich, eindeutig und verbindlich sein.

Operative Auswirkungen

Auswirkungsbereich

FM-Betrachtung

Betriebsunterbrechung

Alle gebäudebasierten Tätigkeiten können sofort zum Stillstand kommen

Dienstleistungsunterbrechung

Empfang, Logistik, Wartung, Catering und Support können ausgesetzt werden

Technische Abschaltungen

Bestimmte Systeme müssen gesichert, abgeschaltet oder aus der Ferne überwacht werden

Mieterkoordination

Mehrmieterobjekte benötigen konsistente Kommunikation und abgestimmtes Vorgehen

Sicherheitskontrolle

Geräumte Gebäude müssen gegen unbefugten Zutritt geschützt werden

Wiederanlaufmanagement

Die Wiederbelegung erfordert Prüfung, Abstimmung und formale Freigabe

Facility Management muss nach einer Vollräumung auch die betrieblichen Folgen steuern. Dazu gehören die Information von Nutzern und Mietern, die Sicherung des Gebäudes, die Unterstützung von Einsatzkräften, die Dokumentation der Ereigniszeitpunkte und die Vorbereitung der Wiederaufnahme des Betriebs.

Koordination mit Notfall- und Krisenmanagement

Eine Vollräumung ist nicht nur ein Bewegungsprozess von Personen aus dem Gebäude. Sie ist zugleich eine Krisenmanagementmaßnahme. Facility Management muss mit internen Führungskräften, Sicherheitsmanagement, Arbeitsschutz, Einsatzkräften, Mietern, Dienstleistern und gegebenenfalls Behörden koordiniert handeln.

Während der Vollräumung benötigt das Krisenteam verlässliche Informationen. Dazu gehören der Auslöser des Ereignisses, betroffene Gebäudebereiche, Status der Alarmierung, bekannte technische Störungen, besondere Gefahren, vermisste oder unterstützungsbedürftige Personen, Zugänglichkeit von Zufahrten und die Lage an Sammelstellen. FM ist in vielen Fällen die zentrale Informationsquelle für Gebäudedaten und technische Zusammenhänge.

Die Abstimmung mit Einsatzkräften ist besonders wichtig. Facility Management sollte aktuelle Pläne, Zugangsinformationen, Angaben zu technischen Anlagen, Abschaltmöglichkeiten, Gefahrstofflagerungen, Brandabschnitten, Aufzügen, Lüftungsanlagen und Sicherheitsbereichen bereitstellen können. Je besser diese Informationen vorbereitet sind, desto schneller können Einsatzkräfte die Lage beurteilen.

Koordinationsanforderungen

Koordinationsschnittstelle

Bedeutung

Internes Krisenteam

Stimmt die Vollräumung mit organisatorischen Notfallentscheidungen ab

Sicherheitsmanagement

Kontrolliert Zutritt, Perimetersicherung und Wiederbetreten

Technisches FM-Team

Liefert Informationen zu Gebäudesystemen, Störungen und Gefahren

Arbeitsschutzfunktion

Unterstützt sicherheitsbezogene und organisatorische Bewertung

Einsatzkräfte

Erhalten Gebäudepläne, Gefahreninformationen und Statusmeldungen

Mieter- oder Bereichsverantwortliche

Stellen einheitliches Handeln über Organisationseinheiten hinweg sicher

Eine klare Führungsstruktur verhindert widersprüchliche Anweisungen. Während der Vollräumung müssen alle Beteiligten wissen, wer Entscheidungen trifft, wer Informationen weitergibt, wer mit Einsatzkräften kommuniziert und wer die Wiederbelegung freigeben darf.

Verantwortlichkeit und Kontrolle der Wiederbelegung

Nach einer Vollräumung endet die Verantwortung des Facility Managements nicht an der Sammelstelle. FM muss unterstützen, dass das Gebäude als geräumt bestätigt wird und dass Personen nicht vorzeitig oder unkontrolliert zurückkehren. Eine Rückkehr darf erst erfolgen, wenn die zuständige Stelle, die Einsatzleitung, eine befugte interne Entscheidungsinstanz oder eine andere definierte verantwortliche Person die Sicherheit bestätigt hat.

Die Kontrolle der Wiederbelegung ist ein kritischer Teil der Vollräumung. Ohne klare Freigabe besteht das Risiko, dass Personen in ein noch gefährdetes Gebäude zurückkehren, dass Einsatzmaßnahmen behindert werden oder dass technische Prüfungen nicht abgeschlossen sind. Deshalb müssen Zutritte überwacht, Eingänge gesichert und Anweisungen an Sammelstellen eindeutig kommuniziert werden.

Vor der Wiederbelegung können verschiedene Prüfungen erforderlich sein. Dazu gehören die Bewertung des Ereignisstatus, die Prüfung von Brandmelde- und Sicherheitsanlagen, die Kontrolle von Lüftung, Energieversorgung, Aufzügen, Fluchtwegen, Türen, Zutrittssystemen, Schadensbereichen und technischen Räumen. Je nach Ereignis kann auch eine Reinigung, Belüftung, Dekontamination, Reparatur oder zusätzliche Inspektion notwendig sein.

Kontrollelemente nach der Vollräumung

Kontrollelement

Zweck

Bestätigung der Gebäuderäumung

Stellt sicher, dass keine bekannten belegten Bereiche im Gebäude verbleiben

Überprüfung des Ereignisstatus

Klärt, ob die Gefahr behoben, begrenzt oder weiterhin aktiv ist

Technische Sicherheitsprüfung

Bestätigt, dass Gebäudesysteme sicher genutzt werden können

Kommunikation der Wiederbelegungsentscheidung

Verhindert Unsicherheit, Gerüchte und unkontrollierte Rückkehr

Dokumentation des Ereignisses

Unterstützt Audit, Versicherung, interne Auswertung und rechtliche Nachvollziehbarkeit

Lessons-Learned-Auswertung

Verbessert zukünftige Notfallbereitschaft und Räumungsqualität

Die Entscheidung zur Wiederbelegung muss klar, nachvollziehbar und dokumentiert sein. Sie sollte nicht informell oder uneinheitlich erfolgen. Erst wenn die Freigabe vorliegt, dürfen Personen geordnet in das Gebäude zurückkehren und der Betrieb kann schrittweise wieder aufgenommen werden.

Dokumentation, Übungen und kontinuierliche Verbesserung

Verfahren zur Vollräumung müssen dokumentiert, getestet und regelmäßig überprüft werden. Eine schriftliche Regelung allein reicht nicht aus. Entscheidend ist, ob die vorgesehenen Maßnahmen im tatsächlichen Ereignisfall verstanden, akzeptiert und wirksam umgesetzt werden können.

Räumungsübungen helfen zu bewerten, ob das Gebäude sicher und geordnet geräumt werden kann. Sie zeigen, ob Alarmierung und Durchsagen verständlich sind, ob Fluchtwege ausreichend genutzt werden, ob Sammelstellen geeignet sind, ob Personen mit Unterstützungsbedarf berücksichtigt werden und ob die Organisation der Wiederbelegung verstanden wird. Übungen sollten realistisch, aber kontrolliert durchgeführt werden.

Nach jeder Übung und jedem tatsächlichen Ereignis sollte Facility Management eine strukturierte Nachbesprechung durchführen. Dabei werden Beobachtungen, Zeitabläufe, Kommunikationsprobleme, technische Störungen, Verhaltensmuster und Verbesserungspotenziale erfasst. Die Ergebnisse müssen in Maßnahmen übersetzt werden, zum Beispiel in Schulungen, Anpassung von Beschilderung, Änderung von Sammelstellen, Aktualisierung von Plänen oder Verbesserung der Alarmtechnik.

Prüf- und Verbesserungsbereiche

Prüfbereich

FM-Zweck

Räumungszeit

Bewertet die Effizienz der gesamten Personenbewegung

Wirksamkeit der Kommunikation

Bestätigt, dass alle Personen Anweisungen erhalten und verstanden haben

Verhalten der Gebäudenutzer

Erkennt Verwirrung, Verzögerungen oder unsichere Handlungen

Barrierefreie Räumungsleistung

Prüft die Unterstützung für Personen mit Hilfebedarf

Leistung technischer Systeme

Bewertet Alarme, Türen, Beleuchtung, Zutritt und Überwachung

Wiederanlaufprozess

Bewertet, wie schnell ein sicherer Betrieb wieder aufgenommen werden kann

Kontinuierliche Verbesserung ist im Facility Management wesentlich. Gebäude, Nutzungen, Organisationen und Risiken verändern sich. Ein wirksames Vollräumungskonzept muss deshalb lebendig bleiben, regelmäßig angepasst werden und allen relevanten Personen bekannt sein. Nur so kann im Ernstfall eine sichere, schnelle und geordnete Vollräumung gewährleistet werden.